Teams
Chronik
Dates
Fans
Stern Roter Stern
Roter Stern bei der "Mondiali Antirazzisti" 2008

Vom 9. bis 13. Juli fand die 12. Auflage der MONDIALI ANTIRAZZISTI statt, insgesamt ca. 5000 Menschen aus sämtlichen Himmelsrichtungen fanden den Weg in die italienische Kleinstadt Casalecchio di Reno (nahe Bologna). Zum 10. Mal war auch der Rote Stern Leipzig vertreten, wenn auch mit der kleinsten Delegation seit 1999 und erstmals mit nur einem Team im Fußballturnier.

Neben dem großen offenen Fußballturnier mit 204 Teams fanden wieder Wettbewerbe in Basketball, Volleyball, Rugby und Cricket statt, „Giessen Asozial“ organisierten traditionell auch ein extra Fußballturnier für Frauen-Teams.

Außerdem gab es wie immer an jedem Tag diverse Veranstaltungen zu verschiedensten Themen im zentralen Punkt der Mondiali, der „Piazza Antirazzista“, alle aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Eines der Highlights soll allerdings Erwähnung finden: der Vortrag des 86jährigen Partisanen Rosario Bentivegna. Er erzählte von seiner Jugend im Italien der dreißiger Jahre, von seinem Weg in den Untergrund und von der Organisation des römischen Widerstands. Sehr bewegend.

Alles ließ sich ganz gut an, auch auf dem Bolzplatz konnte unser RSL Team überzeugen und zog nach Siegen über „Materiale Resistente“, „Pelle Clowns“, „Arcimondo“ und einem bemerkenswerten 5-2 im „Derby“ gegen „Diablos/ Bunte Kurve“ bei einer Niederlage gegen „Salernitana“ als Gruppenerster in die Runde der letzten 64 ein, wo man sich gegen „Infamous Youth Bremen“ mit 3-0 ebenfalls durchsetzen konnte.



Zu diesem (letzten) Spiel am Morgen des 13. Juli waren wir jedoch mit gemischten Gefühlen angetreten, denn Samstagabend bereits war jede Unbeschwertheit von der Mondiali 2008 gewichen. Die Veranstalter hatten beim abendlichen Konzert die Bühne betreten und die Anwesenden sichtlich betroffen darüber informiert, dass in der Nacht zum Samstag in der Nähe des Festivalgeländes eine Frau vergewaltigt worden sei. Für den Sonntagvormittag wurde eine Diskussionsveranstaltung in der „Piazza Antirazzista“ angekündigt. Da allerdings viele Leute beim Konzert nicht anwesend waren und somit weder von dem Übergriff noch von dem spontan angesetzten Plenum wissen konnten, schlossen wir uns einer Initiative von Einzelpersonen an, die die Finals am Sonntag unterbrechen, die Bälle einsammeln und die Fußballspielenden und deren Fans über das Geschehene informieren wollten. Auch diesem Umstand war es wohl geschuldet, dass am Sonntag (nach erfolgreicher Stop- und Infoaktion) um 11.45 das Zelt der „Piazza Antirazzista“ nicht einmal alle Leute fassen konnte, die der Diskussion beiwohnen wollten. Schätzungsweise weit über 400 Leute scharten sich im und vor dem Zelt. VertreterInnen verschiedener Gruppen schilderten weitere unangenehme Vorfälle sowie kleinere Übergriffe auf Frauen; es wurde deutlich, dass das Klima der Mondiali von vielen der Anwesenden als (nicht nur) latent sexistisch und machistisch empfunden wird. Gegen Ende des fast dreistündigen Plenums wurden verschiedene Vorschläge gemacht, wie mensch die Mondiali diesbezüglich verbessern könnte. So wurde unter anderem vorgeschlagen in Zukunft nur noch Mixed-Teams zuzulassen oder die Teams erst vor Ort zu zusammenzuwürfeln, um bspw. den kompetitiven Charakter der Veranstaltung zu eliminieren und das Miteinander und die antirassistische und antisexistische Arbeit stärker als bisher in den Mittelpunkt zu rücken.

Auch die Organisatoren meldeten sich zu Wort. Carlo von Progetto Ultra, einer der Ziehväter der Mondiali, gab den Beschluss bekannt, die „Mondiali Antirazzisti“ künftig bereits im Titel durch einen wie auch immer formulierten antisexistischen Zusatz zu ergänzen. Auch wurde sichtlich bewegt das Ende der bisherigen Mondiali proklamiert. Die Mondiali stünde(n) an einem Scheideweg und alle Freundinnen und Freunde der Mondiali wären aufgerufen, dem Projekt ein neues Gesicht zu verleihen. Wie es gelingen kann eine Veranstaltung dieser Größenordnung künftig weitgehend frei von sexistischen Verhaltensweisen, Mackergehabe und purem Prolltum zu halten, konnte an diesem Sonntag natürlich (leider) nicht geklärt werden.

Abschließend wurde mit dem Einverständnis der meisten Anwesenden die Mondiali 2008 für beendet erklärt. Auf die traditionelle Pokalübergabe (in mehr als einem Dutzend Kategorien) auf der großen Bühne wurde verzichtet. Lediglich zwei Pokale wurden vergeben: Der Pokal der Unsichtbaren, die „Coppa Invisibile”, wie jedes Jahr an die Teams, denen die rassistischen EU-Einreisebestimmungen es unmöglich machten, an der Mondiali teilzunehmen. Betroffen waren davon in diesem Jahr Teams aus Ghana, dem Kongo, Gambia und Kuba. Die „Coppa Mondiali Antirazzisti” (zuvor Mateo, einem kürzlich verstorbenen Mitglied der Veranstaltungscrew in Anwesendheit seiner Familie und seiner Genossen vom AC Parma gewidmet) wurde schließlich gemeinschaftlich den vier reinen Frauen-Teams verliehen, die am offenen Fußballturnier teilgenommen hatten.

Soweit die Fakten. Nun liegen also auch vor uns zwölf Monate, um das Konzept dieses Projekts zu überdenken, Vorschläge zu diskutieren, zu unterbreiten und vielleicht sogar Veränderungen voranzutreiben. Die Mondiali braucht heute mehr denn je die Solidarität und Tatkraft derer, die ihr seit Jahren ob ihres Anspruchs die Treue halten (nicht wegen der gigantischen Testosteronzelte oder des Klimas). In diesem Sinne. Auf ihr Sterne…! Forza Mondiali!

www.roter-stern-leipzig.de / Datenschutz/Impressum/Kontakt