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RSL Erste Herren vs. ESV Delitzsch  3:1
8.11.2015 Sportpark Dölitz
Selbst die Meckerecke applaudierte wohlwollend

Woran aus sportlicher Perspektive ein guter Tag für den RSL am einfachsten sichtbar wird? Ganz einfach: nur allzu selten sehen sich die von Haus aus demonstrativ anspruchsvollen, elitären Connewitzer Honorationen aus der berühmt-berüchtigten Meckerecke unweit Sky Marshalls’ holzkohlegleißender Vorhölle dazu veranlasst, nach Abpfiff kraft ihrer wohlmanikürten Hände Applaus zu spenden und den verschwitzten wie schlammverzierten Hobbykickern der Ersten sogar ein gönnerhaftes Kopfnicken entgegen zu bringen. Am gestrigen Sonntagnachmittag war es tatsächlich mal wieder so weit, denn doch ziemlich unerwartet bezwangen die elf beschwingten Roten Laternen ihren favorisierten, bis dato drittplatzierten Kontrahenten ESV Delitzsch vor knapp 350 sichtbar beseelten Fans absolut verdient mit 3:1 (2:0). Erzieher Kroneck (29., 54.) und sein Hortkind Tim (32.) hatten die Weichen frühzeitig auf drei zwar erhoffte, irgendwie auch bitter nötige, aber dennoch kaum eingeplante Punkte gestellt, ehe ein Delitzscher (in meiner Erinnerung war es die Nr. 9 Christoph Buse) das Ergebnis wenige Minute vor Schluss noch etwas kosmetikierte (86.).


Commissioner Gordon über Tim: "Weil er der Held ist, den Gotham verdient. Aber nicht der, den es gerade braucht. Also jagen wir ihn. Weil er es ertragen kann. Denn er ist kein Held. Er ist ein stiller Wächter, ein wachsamer Beschützer. Ein dunkler Ritter."
Die trübselige, selbstverschuldete Niederlage gegen Tabellennachbar Tresenwald an gleicher Stelle nur eine Woche zuvor hatte Spuren hinterlassen, sowohl in Sachen nachvollziehbarer Enttäuschung und dem üblichen Selbstmitleid, leider aber auch körperlich. Pirmin, der Straßenfeger vom Körnerplatz (Knie im Slalom verkanntet) und Simon(a) Traoré (Oberschenkel zu straff gezogen) mussten wie auch der gelb-rot-gesperrte Till(e) Schmelzer ersetzt werden, was Jannik Høndelgaard, Gymnasialreferendar Tim und Genusspsychologe Rafalito wieder ins erste Glied spülte. Dies vorweg: Sie sollten ihre Aufgaben teils genauso übererfüllen wie die anderen acht Gefährten samt drei weiterer Einwechselspieler.


Ranger genießt die Sonne, Flo sein Kopfballspiel
Die ausgewogene, gegenseitige Abtastphase beider Teams dauerte fast eine halbe Stunde, während dieser jedoch sämtliche Mitglieder der RSL-Viererkette bereits ordentliche Novemberhalluzinationen davontragen musste aufgrund der ins Dreistellige reichenden, gewonnenen Kopfballduelle, die bis Abpfiff gut und gerne noch die Schallmauer der Vierstelligkeit durchbrochen haben dürfte. Ihre offensiven Vorderleute bedankten sich für die aufmerksame Verteidigungsarbeit in und rings um den eigenen Strafraum herum dafür alsbald mit dem knotenlösenden Führungstreffer. Infolge eines Standards, den die Gäste nicht richtig klären konnten, gelangte der zweite Ball zu Rudi, der irrtümlicherweise über rechts scharf in den Rücken des Fünfmeterraums spielte, worauf Paul nur lauerte, um souverän aus sieben Metern einzuschieben (29.).


War dagegen nie im Leben am Kopfballpendel: Kosta!
Beinah hätten wir jedoch umgehend den Ausgleich einsacken müssen, da sich Fidelio Firley bei einem Delitzscher Eckball auf Torwartromancier Raik verließ, der sich wiederum dahingehend auf eben Flos entwischten Gegenspieler Oha verließ, dass dieser freistehend aus drei Metern drüberköpfte – tat er zu unserem Glück auch (30.). Frappant und zudem im Nachhinein spielentscheidend an diesem Tag sollte unsere eigentlich so noch nicht gekannte Effizienz vor dem gegnerischen Kasten sein. Unmittelbar folgend erreichte ein schneller Seitenwechsel den nach vorn geeilten Winkel (dem immer noch ausgewiesen einzigen Akteur, der im Vergleich zur bisherigen Laufbahn nach seinem Wechsel zum RSL einen persönlichen Leistungssprung vollbracht hat). Sein linkes Schwungbein und die tiefstehende Sonne nutzte Winkel dafür, ESV-Keeper Schulze mit einer Superflanke folgenschwer zu überraschen; Nutznießer des zum einen zu kurz und zum anderen mitten in die Gefahrenzone zurückgeklatschten Balls war Tim, der im perfekten Augenblick und nicht wie sonst auch 23 Stunden am Tag mit sich, über sich und die existentialistische Schwierigkeit allen Seins haderte, sondern kurzentschlossen einen zweifellosen Spannschuss ins Eck abstaubte (32.).


Unter anderem dank Abo Alsleben die schönste Hintertorwand der Bezirksliga
Und hätte sich Rudi, von Don Fuego del corazon Rafa per wunderbar öffnendem Diagonalball in Szene gesetzt, nicht wie sonst auch überhaupt keine Platte gemacht und diesmal den Kopf hochgenommen, statt alleinstehend aus 18 Metern fatal-sinnlos draufzuplautzen, wäre ein beruhigendes drittes Tor in kürzester Zeit mehr als möglich gewesen. Anders als üblich von uns fabriziert, sollte das 3:0 aber trotzdem fallen – neun Minuten nach Wiederanpfiff. Heynos lange Freistoßangabe brachte den gesamten Strafraum in Aufruhr, ein doch recht klarer Stoß in Rudis Rücken irritierte sämtliche Verteidiger, der Ball sprang frei am Elfer herum, wo erneut Paul erster Begünstigter der Delitzscher Kollektivkonfusion wurde und die Pille über die Linie spitzelte (54.).


Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!
Während der RSL-Doppelpacker fortan die Restspielzeit für sein Expose zur Bedeutung des 9. Novembers in der deutschen Geschichte unter den prüfenden Augen seines unermüdlichen Doktorvaters Tim zubrachte, verflachte die Partie zusehends. Delitzsch zeigte sich offensiv wenig inspiriert, unsere tatsächlich durchweg konzentrierte Defensivreihe aus den Angeln zu heben und kam erst in der Schlussviertelstunde wirklich zu Chancen. Gut, dass Raik einen krachenden Fernschuss flugsegelnd kurz vor dem Innenpfosten fischte und die Gäste kurz darauf mit einem Blitzreflex gegen den eingewechselten Kaselowsky aus Nahdistanz endgültig entnervte. Einzig beim späten Kopfballgegentor war er machtlos (86.). Aber das interessierte zu diesem Zeitpunkt selbst die rhetorischen Gourmetfußballköche aus der Meckerecke nicht mehr, die da schon genug damit zu tun hatten, dass ihnen nach 90minütiger alfreddraxlerhafter Besserwisserei ihr wiedermal zum Bersten gefülltes Phrasenschwein nicht davonlief.


P.S. Steffen Herzog mit stets wachem Auge für den perfekten Schnappschuss: https://www.flickr.com/photos/130727436@N08/albums/72157660563038180